Zehn Tipps für Eltern und Kinder zum Schulbeginn

Von Kinderrechte Redaktion

Neun lange Wochen Sommerferien sind bald vorbei. Frühes Aufstehen, wieder in den Lernmodus finden: Die Rückkehr zum Schulalltag ist für Familien gar nicht so leicht.

Manche können den Schulstart kaum erwarten!

Bis mittags schlafen, am Nachmittag im Freibad chillen, den ganzen Tag nichts tun. Herrlich, so müssen Sommerferien aussehen. Für Eltern sind die großen Ferien nicht immer ganz so entspannt, sie gleichen oft einem Organisationsmarathon. Jüngere Kinder müssen neun Wochen lang betreut werden. Gut nachvollziehbar, wenn sich Eltern auf den Schulstart und damit auf einen geregelten Alltag freuen.

Am 14. September beginnt in der Steiermark wieder die Schule – und für viele Eltern der Organisationsmarathon. Plötzlich klingelt der Wecker wieder viel zu früh, das Frühstück muss schnell gehen, nichts darf vergessen werden. Das stresst. Konflikte sind vorprogrammiert. Doch wie schaltet man als Familie möglichst gut in den Betriebsmodus?

„Der Wechsel vom Ferienmodus zum Schulalltag geht schwer von heute auf morgen. Besser ist, Eltern geben dem Kind mehr Zeit“, sagt Mag. Denise Schiffrer-Barac, Kinder- und Jugendanwältin des Landes Steiermark.

Was hilft, ist etwa ein Countdown für die nächsten Tage bis zum Schulstart. Damit können sich Kinder – und Eltern – Schritt für Schritt ein- oder umgewöhnen.

Damit der Start möglichst geschmeidig abläuft, gibt es hier zehn Tipps für die nächsten Tage:

1. Schulstoff wiederholen

Ein paar Tage vor Schulbeginn können Eltern ihre Kinder dazu einladen, in den Unterrichtsstoff hineinzuschnuppern. „Wichtig ist, dass der Spaß am Lernen im Vordergrund steht“, so Schiffrer-Barac. „Und mit Druck geht sowieso nichts.“

Eine Empfehlung bei jüngeren Kindern ist, Lerninhalte in den Alltag zu integrieren: etwa beim Einkaufen Summen zusammenzuzählen, in der Straßenbahn Malreihen zu bilden oder bei Rollenspielen Wechselgeld zu kalkulieren. „Beim Laufdiktat können Kinder selbstständig üben, und die Bewegung sorgt dafür, dass sich das Gelernte besser im Gehirn festigt.“

Gelernt werden kann übrigens überall: im Freibad, beim Spazierengehen, am Spielplatz oder im Auto auf der Fahrt vom Urlaub nach Hause. Und zur Belohnung gibt es hinterher ein Eis.

Die wichtigsten Schwerpunkte des Unterrichtsstoffs zu wiederholen, schadet nie – egal, in welcher Schulstufe.

Nur: Eltern haben bei Teenagern meist wenig bis gar keinen Einfluss darauf. Wichtiger ist, gemeinsam mit dem Kind das letzte Schuljahr zumindest zu besprechen. Was ist gut oder schlecht gelaufen? Gibt es Fächer, in denen man sich verbessern will? Welche Vorsätze hat das Kind für das kommende Schuljahr? Wie können Eltern das Kind dabei unterstützen?

2. Positiv über die Schule sprechen

Eltern haben eine große Vorbildwirkung für Kinder. Freuen sie sich selbst darüber, dass die Schule wieder beginnt, oder sind sie in Wahrheit genervt von den anstehenden Hausübungen und Prüfungen?

„Die Kinder müssen Lust auf Schule kriegen, indem Eltern den Fokus auf die Dinge richten, die schön sind, und mit den Kindern darüber sprechen“, sagt Denise Schiffrer-Barac. „Die Kinder treffen wieder ihre Schulfreunde, sie lesen coole Bücher und lernen neue Dinge.“

Gerade Schulanfängerinnen und -anfänger orientieren sich stark an ihren Eltern. Sätze wie „Jetzt beginnt der Ernst des Lebens“ trüben dabei die Vorfreude und Motivation des Kindes. „Das macht eher Angst statt Mut“, sagt die Kinder- und Jugendanwältin.

3. Ängste, Streit, Mobbing

Wenn das Kind schon in den Ferien beim Gedanken an den Schulstart Bauchschmerzen bekommt, sollten Eltern genauer hinsehen: Was sind die Ursachen? Mobbing? Versagensängste? Probleme mit Lehrer:innen?

Kinder sind sehr unterschiedlich darin, wie viel sie über die Schule erzählen. Aus den einen sprudelt es nur so heraus, die anderen reden tagelang sehr wenig oder gar nicht. Das ist alles völlig in Ordnung, findet die Kinder- und Jugendanwältin und gibt Eltern den Tipp:

„Achten Sie darauf, in welchen Situationen es für Ihr Kind angenehm ist zu erzählen, und zeigen Sie ehrliches Interesse. Auch wenn Ihr Kind erst kurz vor dem Schlafengehen losplaudert, sollten Sie Zeit dafür einräumen.“

Wichtig ist, die Sorgen des Kindes ernst zu nehmen und, wenn nötig, mit Lehrer:innen zu sprechen.

4. Schlafrhythmus ändern

„Drei bis vier Tage vor dem Schulstart sollte man den Tagesablauf wieder an den des Schullebens anpassen“, sagt Schiffrer-Barac. „Die Kinder schaffen das nicht von heute auf morgen.“

Volksschulkinder benötigen etwa neun bis elf Stunden Schlaf täglich. Schlafmangel wirkt sich negativ auf die Leistung und die Konzentration aus.

Ein Tipp von der Pädagogin: „Schaffen Sie als Eltern in den Tagen vor dem Schulstart Anreize, die das Aufstehen für die Kinder leichter machen. Etwa eine Unternehmung gleich früh am Morgen!“

Wenn Kinder Probleme beim Einschlafen haben, hilft häufig ein Schlafritual. Bei vielen wird abends ein Buch vorgelesen oder ein Hörbuch abgespielt. Außerdem ist es wichtig, dass vor allem jüngere Kinder immer zur selben Zeit ins Bett gehen und aufstehen.

Dass Kinder direkt vor dem Einschlafen fernsehen oder am Smartphone spielen, ist keine gute Idee, „weil das Gehirn das wieder verarbeiten muss“. Je weniger Licht, desto besser. Das blaue Licht von Bildschirmen hemmt die Bildung des Schlafhormons Melatonin.

5. Arbeitsplatz sortieren

Ab Schulbeginn sollte jedes Kind zu Hause einen eigenen Arbeitsplatz haben, zumindest wenn es die Wohnverhältnisse erlauben. Dort werden dann die Hausübungen gemacht, dort wird gelernt, aber auch gebastelt, gelesen und gezeichnet.

„Eltern sollten das Kind unbedingt beim Einrichten des Arbeitsplatzes miteinbeziehen.“ Gemeinsam kann man sich ein Ordnungssystem überlegen. „Das fördert die Selbstständigkeit, und Kinder üben nebenher, wie man aufräumt.“

Für bereits vorhandene Arbeitsplätze gilt: Diese sollten noch vor dem Schulstart vom Kind, eventuell gemeinsam mit den Eltern, entrümpelt werden. Eine aufgeräumte, übersichtliche Umgebung unterstützt beim Lernen.

6. Neue Schulsachen

Für das neue Schuljahr und gerade bei der Einschulung gibt es immer viel zu besorgen. Wie wäre es mit einem gemeinsamen Einkaufsbummel für Hefte, Stifte und Jausenbox? So kann sich das Kind seine Schulsachen selbst aussuchen, das steigert die Vorfreude.

Einige Eltern kaufen den Kindern zum Schulstart auch neue Kleidung oder Schuhe – zumindest, wenn das Geld vorhanden ist.

7. Kalender aufhängen

Für die Planung unter dem Jahr empfiehlt sich ein großer, zentraler Kalender, in den alle wichtigen Termine eingetragen werden. So können alle Familienmitglieder leicht sehen, wann zum Beispiel Geburtstage gefeiert werden und wann mit dem gezielten Lernen vor einer Schularbeit begonnen werden soll.

Das gibt Struktur und hilft, die Freizeit besser zu planen.

8. Schulfreunde treffen

Wie wäre es, bereits in den Tagen vor dem Schulstart Schulfreundinnen oder Schulfreunde zu treffen?

„Dem Kind könnte es helfen, sozial wieder den Anschluss zu finden“, sagt Denise Schiffrer-Barac.

9. Schultasche packen

Für den ersten Schultag braucht das Kind noch nicht viel, aber zumindest ein Notizblock, Stifte und eine Flügelmappe für alle losen Infoblätter sollten mit dabei sein.

Man sollte darauf achten, eine dafür geeignete Schultasche zu haben und keinen Freizeitbeutel. Denn immerhin hat man tagtäglich schwer zu tragen, und eine gute Schultasche erleichtert dabei vieles.

10. Der letzte Ferientag

Ein Essen oder ein kleiner Ausflug versüßt das Ferienende und bleibt als schöne Erinnerung. Eine nette Kleinigkeit, wie etwa ein besonderer Stift, steigert die Freude am Schulstart und damit die Motivation.

GUTEN START!

Wünscht Mag. Denise Schiffrer-Barac, Kinder- und Jugendanwältin des Landes Steiermark, und das Team der Kinder- und Jugendanwaltschaft.